24 Apr. 26 Musik als Mittel des Gedenkens – Messiaen-Tage 2026
Musik als Mittel des Gedenkens – Messiaen-Tage 2026
Görlitz und Zgorzelec sind eng mit der Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VIII A verbunden. Zwischen 1939 und 1945 waren dort mehr als 120.000 Soldaten verschiedener Nationen inhaftiert, rund 12.000 von ihnen überlebten die Haft nicht. Unter den Gefangenen befand sich auch der französische Komponist Olivier Messiaen (1908–1992). Während seiner Gefangenschaft im Winter 1940/41 komponierte er das Quatuor pour la fin du Temps („Quartett für das Ende der Zeit“). Am 15. Januar 1941 wurde das Werk erstmals in einer Baracke des Lagers aufgeführt. Heute erinnern die Messiaen-Tage an diesen historischen Ort und verbinden Musik und Geschichte in einem grenzüberschreitenden Festival. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur Messiaens Person und Werk, sondern im besonderen Maße die Auseinandersetzung mit den historischen Erfahrungen der Menschen , die im Lager interniert waren sowie die hoffnungsspendende Kraft der Musik.

Erinnerungskultur und Bildungsarbeit
Organisiert werden die Messiaen-Tage vom Verein Meetingpoint Memory Messiaen e.V. mit Sitz in Görlitz. Der Verein arbeitet an der historischen Aufarbeitung des Stalag VIII A und engagiert sich zugleich in der internationalen Bildungs- und Jugendarbeit. Projekte, Workshops und Begegnungsprogramme bringen insbesondere junge Menschen aus Deutschland, Polen und Europa zusammen und setzen sich mit Geschichte, Erinnerungskultur und zeitgenössischer Musik auseinander. Darüber hinaus organisiert der Verein Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Forschungsprojekte rund um die Geschichte des Lagers sowie der vielen Außenkommandos im Stadtraum Görlitz und der damit verbundenen NS-Zwangsarbeit in der Stadt. Die Messiaen-Tage sind dabei eines der ambitioniertesten Formate dieser Arbeit. Wie Projektleiterin Klaudyna Michalska-Tomyślak sagt, zeichnen sich die Messiaen-Tage besonders durch die Verbindung von Geschichte, Kunst und Musik sowie durch die Zusammenarbeit von Künstler:innen und Institutionen aus verschiedenen Ländern aus.
Programm der Messiaen-Tage im Mai
Die Messiaen-Tage begannen am 15.01.2026 mit der traditionellen Aufführung des „Quartetts auf das Ende der Zeit“ an seinem Uraufführungsdatum und finden ihre Fortsetzung vom 1. bis 3. Mai 2026 in Görlitz und Zgorzelec. Sie umfassen mehrere Veranstaltungen, die Musik, historische Bildung und Austausch kombinieren. Zum Auftakt am 1. Mai wird in der Görlitzer Innenstadt eine Pop-up-Ausstellung eröffnet, die sich mit der Geschichte des Festivals und dem historischen Hintergrund des Ortes beschäftigt. Begleitet wird der Auftakt von einem Auftritt von Musiker:innen der EuropaChorAkademie. Am Abend folgt ein Live-Act-Konzert im ehemaligen Stalag VIII A, bei dem Musiker:innen des Pariser Ensemble Écoute gemeinsam mit jungen Instrumentalist:innen aus Deutschland, Polen und Frankreich Werke präsentieren, die im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit entstanden sind.


Der 2. Mai steht im Zeichen von Geschichte und Austausch. Auf dem Gelände der Gedenkstätte Stalag VIII A führen der Historiker Dr. Johannes Bent und die Musikwissenschaftlerin Dr. Katarzyna Bartos durch den historischen Ort und erläutern Messiaens Aufenthalt im Lager sowie den Entstehungskontext seines berühmten Quartetts. Anschließend findet in Zgorzelec eine Podiumsdiskussion mit der Komponistin und Messiaen-Schülerin Prof. Grażyna Pstrokońska-Nawratil, Dr. hab. Adam Porębski und Dr. Katarzyna Bartos statt. Im Mittelpunkt stehen Fragen zeitgenössischer Musik, künstlerischer Inspiration und der Einfluss Messiaens auf spätere Komponist:innen. Am Abend folgt ein Kammerkonzert aus der Zusammenarbeit der EuropaChorAkademie und des Ensemble Écoute.
Am 3. Mai rückt die historische Dimension der Region stärker in den Fokus. Eine geführte Fahrradtour mit der Geschäftsleiterin des Meetingpoint, Alexandra Grochowski, führt zu Orten der NS-Zwangsarbeit in Görlitz und zeigt, wie die görlitzer NS-Geschichte auch im Stadtbild präsent ist. Anschließend gibt der Historiker Dr. Johannes Bent im Schlesischen Museum zu Görlitz in einem Werkstattgespräch Einblicke in aktuelle Forschungen zum Stalag VIII A und stellt ein Citizen-Science-Projekt vor, bei dem Nachfahr:innen ehemaliger Kriegsgefangener zur historischen Aufarbeitung beitragen. Den Abschluss der Messiaen-Tage bildet das Konzert „Displaced Persons“ der Sinfonietta Dresden im Kulturforum Görlitzer Synagoge. Das Programm widmet sich Komponist:innen, deren Leben und Werk durch Krieg und Vertreibung geprägt wurden.

Tickets für alle Veranstaltungen sowie das Festivalticket sind über die Website www.messiaen-tage.eu, sowie in der Görlitzer Tourismusinformation (Obermarkt 32) und im Büro des Veranstalters (Demianiplatz 40) erhältlich. Dort steht auch das Programmheft zum Festival bereit, das zusätzliche Einblicke in die Hintergründe und das Programm der Messiaen-Tage bietet.
Kontakt: Klaudyna Michalska-Tomyślak
michalska@messiaen-tage.eu
Meetingpoint Memory Messiaen e.V.
