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Neues Projekt in der Bildungsagenda NS-Unrecht der EVZ

Neues Projekt in der Bildungsagenda NS-Unrecht der EVZ

NS-Zwangsarbeit und antislawischer Rassismus während der NS-Zeit in Görlitz

Ein intergenerationales Begegnungs- und Bildungsprojekt

Die Lebensgeschichten Kriegsgefangener und ziviler Zwangsarbeiter:innen in Görlitz sind bis heute kaum Teil der öffentlichen Erinnerung. Das gilt besonders für Menschen aus Polen und der damaligen Sowjetunion, deren Verfolgung und Ausbeutung durch die nationalsozialistische Ideologie des antislawischen Rassismus geprägt waren.

Wer waren diese Menschen? Unter welchen Bedingungen mussten sie leben und Zwangsarbeit leisten? Welche Erinnerungen an sie bewahren ihre Familien?

Das Projekt des Meetingpoint Memory Messiaen e.V. rückt diese bislang wenig beachteten Geschichten in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Historiker:innen, Nachfahr:innen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen und jungen Menschen aus Deutschland, Polen und der Ukraine erschließen wir Biografien und Orte der NS-Zwangsarbeit in Görlitz. Historische Quellen und familiäre Erinnerungen bilden die Grundlage für Begegnungen und digitale Bildungsangebote, die diese Lebensgeschichten im Stadtraum sichtbar und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.

 

Projektverlauf

Das Vorhaben gliedert sich in mehrere Phasen, die zwischen 2026 und 2028 realisiert werden.

 

Forschen und Familiengeschichten erschließen

Von Herbst 2026 bis Sommer 2027 werden historische Quellen recherchiert und ausgewertet: darunter Lagerdokumente, Fotografien und persönliche Zeugnisse. Parallel suchen wir den Kontakt zu Nachfahr:innen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen, die ihre Familiengeschichten und Erinnerungen einbringen möchten.

Geplant ist eine Dokumentation zu ca. zehn Biografien und zehn Orten der Zwangsarbeit. Dabei arbeiten wir mit der ukrainischen Organisation After Silence aus Lviv zusammen, die ihre Erfahrung und Expertise in der Erforschung von Lebensgeschichten NS-Verfolgter einbringt.

 

Internationale Begegnung und gemeinsame kreative Arbeit

Für den Sommer 2027 ist eine zweiwöchige Jugendbegegnung in Görlitz-Zgorzelec mit jungen Menschen aus Deutschland, Polen und der Ukraine geplant. Gemeinsam mit Historiker:innen und Nachfahr:innen ehemaliger polnischer und sowjetischer Zwangsarbeiter:innen beschäftigen sich junge Menschen mit NS-Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft und besonders mit den recherchierten Lebensgeschichten aus der Forschungsphase.

 

Geschichte digital zugänglich machen

Im Laufe des Jahres 2027 entstehen eine mehrsprachige Multimedia-App sowie ein pädagogisches Begleitheft. Die App verknüpft historische Orte mit Biografien, Quellen und den Beiträgen der Jugendbegegnung. Eine interaktive Karte macht die Spuren der NS-Zwangsarbeit im Stadtraum erfahrbar.

 

Bildungsangebote erproben und weitergeben

Bis Frühjahr 2028 werden die neuen Materialien gemeinsam mit Lehrkräften, Pädagog:innen und weiteren Interessierten erprobt. Eine Fortbildung vermittelt den Umgang mit der App und zeigt Möglichkeiten auf, historische Quellen, digitale Medien und partizipative Methoden miteinander zu verbinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen und der Einbindung ihrer Familiengeschichten und Erinnerungen in die historisch-politische Bildungsarbeit.

Zusätzlich ist eine Erprobung mit zwei Schulklassen vorgesehen. Die Rückmeldungen fließen in die Weiterentwicklung der Bildungsangebote ein.

 

Öffentliche Vorstellung der Projektergebnisse

Im Frühjahr 2028 werden die Forschungsergebnisse, die kreativen Arbeiten, die App und das Begleitheft öffentlich vorgestellt. Die Abschlussveranstaltung bringt Projektbeteiligte, Nachfahr:innen und die interessierte Öffentlichkeit zusammen.

Die entstandenen Materialien werden anschließend dauerhaft in die Bildungsarbeit von Meetingpoint Memory Messiaen e.V. eingebunden und stehen auch anderen Bildungseinrichtungen zur Verfügung.

 

Kontakt

Mateusz Kowalinski
Projektleitung

Meetingpoint Memory Messiaen e.V.
Verein für Erinnerung, Bildung und Kultur
Demianiplatz 40
02826 Görlitz
E-Mail: kowalinski@meetingpointmm.eu
Telefon: +49 3581 661269