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Auf den Spuren des Stalag VIII A

Auf den Spuren des Stalag VIII A

Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.

Hans von Keler (*1925), dt. Theologe

Auf den Spuren des Stalag VIII A

Auch im Mai haben uns einige Angehörige ehemaliger Kriegsgefangene des Stalag VIII A kontaktiert. Sie suchen nach Antworten auf Fragen, die seit fast 70 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben werden. Oft sind es sehr persönliche Fragen über ihre Verwandten:

Wo wurde er gefangen genommen? Wie kam er ins Stalag VIII A? Wer begleitete ihn all die Monate und Jahre? Wo musste er arbeiten? Wie sah sein Alltag aus? Wo liegt er begraben? Wie konnten all die jungen Männer die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten?

Unsere Gäste bringen meistens wertvolle Quellen wie Briefe, Fotos, Gegenstände aus dem Lager und erzählte Erinnerungen mit, die auf der Suche helfen. Dafür möchten wir uns bei allen bedanken! Wir kommen ins Gespräch, erfahren neue Schicksale, tauschen Fakten und Erzählungen aus und versuchen Antworten zu geben. Doch trotz jahrelanger Forschung verschiedener Menschen und Gruppen sind noch viele Fragen ungeklärt, Schicksale offen und unzählige Geschichten namenlos. Wir möchten die Arbeit weiterführen, der Geschichte Gesichter geben und all den Opfern jenes Kriegsgefangenenlagers gedenken. Die Vergangenheit steht nicht in unserer Verantwortung, doch wir tragen die Gegenwart und – wie Hans von Keler ausdrückt -bauen wir dabei auf der Vergangenheit auf. Für uns bedeutet das, dass wir das „Geschichtete“ auseinander nehmen, Schicht um Schicht erforschen und verstehen wollen. Dabei formen wir unsere eigenen Schichten und tragen die Verantwortung für die Zukunft.

Praktisch heißt das: Grenzüberschreitende und generationsübergreifende Bildungs- und Kulturarbeit in Form von Workshops, Konzerten, Beteiligung an Veranstaltungen anderer kultureller Vereine, pädagogische Angebote auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers und Forschungsarbeit. Menschen aus der trinationalen Umgebung sollen „ihre Geschichte“ erforschen und für sich selbst und die Gemeinschaft Lehren ziehen können.

Wir wollen Vorurteile und Ängste über Ländergrenzen hinweg abbauen und vor allem junge Menschen erreichen. In diesem Sommer nehmen Jugendliche aus sechs verschiedenen europäischen Ländern an der WORCATION teil. Sie werden zwei Wochen gemeinsam in GörlitZgorzelec verbringen, die Geschichte des Stalag VIII A kennenlernen und selbst aktiv sein – unter anderem Metallskulpturen von Kriegsgefangenen des Lagers anfertigen. Eine Skulptur wird dem italienischen Militärinternierten Renato Gargano gewidmet sein. Seine Enkeltochter Stefania Turco besuchte uns vor wenigen Wochen in Görlitz und Zgorzelec (siehe Bild), erzählte die bewegende Geschichte ihres Großvaters und überließ uns wichtige Quellen.

Wir laden diejenigen, die ihre Quellen oder Erinnerungen mit uns teilen möchten, zu uns ein. Bitte wenden Sie sich per E-Mail an history@themusicpoint.net, per Telefon 03581 661269 oder kommen Sie direkt in unser Büro am Demianiplatz 40 02826 Görlitz. Wir freuen uns auf Sie!