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Lucien Hougardy

Lucien Hougardy

Lucien Hougardy wurde am 13.02.1912 geboren. Während uns nichts über seine Kindheit bekannt ist, so wissen wir dennoch einiges über seine Gefangenschaft: Er wurde im Jahr 1939 zu Beginn des Krieges eingezogen, als Teil der TTR (Troops of Radio Transmission/ Kommunikationstruppen). 1940 wurde er zusammen mit seinem Korps an die belgische Küste verlegt, auf dem Weg dorthin gerieten sie aber nahe Vilvoorde in deutsche Gefangenschaft. Die Gefangenen wurden in Viehwaggons geladen, welche dann in Richtung Ostsee abfuhren. Erster Halt: Das Stalag 1 A nahe Stablack. Hier wurden sie erneut aufgeteilt, Hougardy kam ins Stalag VIII C nahe Sagan, von hieraus wiederum schickte man ihn nach Görlitz, ins Stalag VIII A. Die Distanz zwischen Stalag VIII C und A betrug 70 Kilometer.
Lucien Hougardy musste diese Strecke zu Fuß bewältigen. Die Hütte, welche Hougardy und seine Mitgefangenen bewohnen mussten, war voller Ungeziefer, von den Deutschen gab es nur Wasser, um “die Plage loszuwerden”.
Der Tag wurde streng von den deutschen Wachen eingeteilt, neben der schweren und auszehrenden Arbeit gab es auch noch gnadenlose Bestrafungen und wenig Essen. Dennoch gab es unter den Insassen große Solidarität- der Stacheldrahtzaun konnte die anderen Gefangenen nicht davon abhalten, den sowjetischen POWs Kartoffeln und Brot zukommen zu lassen. In einem der Pakete, das Hougardy vom Deutschen Roten Kreuz erhielt, war Sirup, in welchem, wie er später gerne behauptete, ein Haar seiner Stiefschwester hing, was ihn sehr erheiterte. Auch eine Stiefelette war dabei. Das Zweite Packet erreichte ihn 1942, zwei Jahre später.
Hougardy selbst arbeitete während seiner Gefangenschaft in einer Vielzahl von Kommandos, zum Beispiel im Kommando 144. Bei diesem handelte es sich um einen Bauernhof. Weitere Orte an denen er gezwungen wurde zu arbeiten, waren:
• Ein Salzbergwerk
• Ein Landgut
• Flugzeugfabrik Peter & Zohne, im heutigen Vrchlabi; in der Fabrik beschädigten sie diskret die Flügel, um den deutschen Soldaten das Fliegen zu erschweren.
• Stalag VIII A; Holz sammeln, Steine für Straßenbau schlagen
• Görlitz; Schnee schippen
In seiner Freizeit war Hougardy teil der Theatergruppe und Trompeter einer Band im Stalag VIII A. Sein Instrument wurde allerdings gegen Kriegsende von den Deutschen entwendet, da es aus Metall war. Wahrscheinlich wurde seine Trompete zu Munition umgeschmolzen. Auch bei der Uraufführung von Messiaens „Quatour pour la fin des temps“ war er dabei, ein für ihn unglaubliches Erlebnis.
Während seiner Gefangenschaft begleitete ihn stehts der Gedanke an Flucht. Sein Plan war, über die größten deutschen Städte zurück nach Belgien zu gelangen. Diese notierte er sich auf einem Zettel, wurde dabei aber von einer deutschen Arbeiterin gesehen. Eine Wache warnte ihn freundlicherweise vor, was ihm die Gelegenheit gab, die Beweise zu vernichten. Daraufhin wurde er für 48 Stunden brutal verhört (man schien ihm mit einer Lampe in die Augen, richtete Gewehre auf ihn, etc.). Trotz der unmenschlichen Behandlung hielt er durch ohne ein Geständnis abgeben zu müssen. Dieses Verhör war der Grund für sein deutlich verkürztes Leben, währenddessen wurde er so fest geschlagen, dass sich sein Brustkorb permanent um fünf Zentimeter nach unten verschob.
Als 1945 das Lager von den Alliierten befreit wurde, brachte man ihn mit dem Zug zurück nach Belgien, wo er krank aber glücklich am 08. Mai 1945 um 10 Uhr abends bei seiner Familie ankam.
1947 erlitt er einen Pneumothorax, welcher gravierende Auswirkungen auf seine Gesundheit mit sich brachte. Ein japanischer Arzt schätzte seine verbleibende Lebenszeit  auf 25 Jahre und gab die Empfehlung in die Schweiz zu ziehen, wegen der guten Luft. Den Rest seines Lebens arbeitet er bei „ONIG“ (Ouevre National des Invalides de Guerre), einer Vereinigung welche anderen ehemaligen POWs half. Er verließ die Schweiz nie mehr, trotz des Wunsches noch einmal nach Görlitz zurückzukommen.  Durch den Luftwechsel während der Reise hätte er möglicherweise wertvolle Lebensjahre verlieren können.
Lucien Hougardy starb im Jahr 1968 im Alter von 56 Jahren in der Schweiz. Die Gefangenschaft forderte ihren Tribut an seinen Körper.

Vielen Dank an Paule Van der Straeten für die Bereitwilligkeit, uns über ihren Großvater zu erzählen. Frau Van der Straeten steht nun schon seit einigen Jahren im Kontakt mit unserem Verein, und hat Görlitz auch schon einige Male besucht. So etwa im Jahr 2014 zum Januarkonzert, bei welchem sie einen Vortrag über ihren Großvater hielt (Bild unten) und auch bei der Worcation im Jahr 2016, bei welcher sie ebenfalls die Geschichte ihres Großvaters teilte (Bilder ebenfalls unten).