27 Jan. 26 Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Heute gedenken wir der Millionen Menschen, die unter dem NS-Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Der Tag erinnert daran, dass Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern geschützt und aktiv verteidigt werden müssen.
Anlässlich des Gedenktags besuchten Alexandra Grochowski, Geschäftsleiterin von Meetingpoint Memory Messiaen e.V., und Mateusz Kowaliński aus der Gedenkstättenpädagogik die Gedenkstätte Großschweidnitz. Dort wurde ein neues Schaudepot eröffnet, in dem 132 originale Grabsteine von Opfern der nationalsozialistischen Krankenmorde dauerhaft gezeigt werden. Die schlichten Betonsteine sind seltene Zeugnisse individuellen Lebens und Leidens – und gleichzeitig Belege für die systematische Entmenschlichung und die Vertuschung von Verbrechen.
Zeitgleich wohnte Vorstandsmitglied Ekkehard Schulze mit Dr. Johannes Bent der Gedenkzeremonie auf dem Wilhelmsplatz in Görlitz bei. Auch dort wurde deutlich: Gedenken ist keine rückwärtsgewandte Geste, sondern eine Verantwortung in der Gegenwart.
Im Rahmen des Gedenktags legten wir natürlich auch am Denkmal für die Opfer des Kriegsgefangenenlagers Stalag VIII A einen Kranz nieder und gedachten der dort festgehaltenen und gestorbenen Menschen.
Die Geschichte des Stalag VIII A ist untrennbar mit der Stadt Görlitz verbunden und geprägt von menschenverachtenden Bedingungen, unter denen während des Zweiten Weltkriegs tausende Gefangene aus aller Welt interniert und als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden.
Orte wie das Stalag VIII A oder die Gedenkstätte Großschweidnitz sind Mahnmale der Vergangenheit – Zeugnisse von Gewalt, Entrechtung und systematischer Entmenschlichung. Sie machen sichtbar, wie sich Menschenrechte missachten lassen, wenn Macht über Menschlichkeit gestellt wird.
Heute beobachten wir, wie ähnliche Dynamiken wieder auftreten: Alte imperiale Ambitionen brechen auf, Machtpolitik stellt sich über Menschenrechte, und demokratische Ordnungen geraten weltweit unter Druck – sei es im Krieg gegen die Ukraine oder in anderen Konflikten, in denen Gewalt, Vertreibung und Rechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.
Historische Erinnerung ersetzt keine politische Analyse. Sie zeigt jedoch, wie schnell gesellschaftliche Ordnungen kippen können, wenn Entmenschlichung, Ausgrenzung und Machtmissbrauch nicht eingehegt werden.
Erinnerung heute heißt daher: historische Erfahrungen ernst nehmen, Unrecht sichtbar machen und daraus Verantwortung für die Gegenwart ableiten. Sie ist ein Prüfstein dafür, wie wir mit demokratischen Werten, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten umgehen – lokal, national und global.
MMM





