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Ein Abend im Zeichen der Erinnerung

Ein Abend im Zeichen der Erinnerung

Messiaens Quatuor pour la fin du Temps in der Görlitzer Synagoge

Am 15. Januar 2026 erfüllte Olivier Messiaens Quartett auf das Ende der Zeit das Kulturforum Görlitzer Synagoge mit seiner unvergleichlichen Klangsprache. Das 1941 entstandene Werk, komponiert unter Kriegsgefangenschaft im Stalag VIII A, verbindet rhythmische Brüche, spirituelle Intensität und poetische Klangbilder zu einer musikalischen Reflexion über Freiheit, Hoffnung und menschliche Widerstandskraft. Auch in der Gegenwart wirkt das Quartett wie ein Sinnbild für Mitgefühl, Verantwortung und die Kraft der Musik, Augen zu öffnen und Gedanken anzustoßen.

Das Konzert ist für uns stets eine besondere Erfahrung“, erklärt Klaudyna Michalska-Tomyślak, Leiterin der Messiaen-Tage zum 85. Jubiläum der Uraufführung. „In diesem Jahr erklang das Quartett wie gewohnt am Tag seiner Uraufführung, jedoch nicht am ursprünglichen Aufführungsort im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A. Das Europäische Zentrum Erinnerung, Bildung, Kultur, das sich heute auf dem Gelände der Gedenkstätte befindet, wird derzeit renoviert. Dennoch konnte das Werk in der Görlitzer Synagoge auf eine Weise erlebt werden, die sowohl seine musikalische Tiefe als auch den historischen Zusammenhang deutlich spürbar machte.“

Das internationale Ensemble Baltic Neopolis Virtuosi interpretierte nach dem Werk Contrasts von Bela Bartok, das als Präludium diente,  das Quartett vor 250 Gästen mit bemerkenswertem Feingefühl und höchster Präzision. Jede Note und jede rhythmische Wendung wurde mit Sensibilität gestaltet, sodass die emotionale Tiefe des Werkes unmittelbar erfahrbar wurde. Damit wurde nicht nur technische Brillanz vermittelt, sondern auch die existenzielle Dimension der Musik spürbar.

Mit dem Konzert in der Synagoge wurde die Botschaft des Quartetts auf eindrucksvolle Weise erlebbar: Musik als Träger von Erinnerung, Hoffnung und Verantwortung, die historische Erfahrungen mit der Dringlichkeit der Gegenwart verbindet.

Vor der Aufführung wurde eine vor Beginn bereits ausverkaufte Führung über das Außengelände des Stalag VIII A angeboten, die von Alexandra Grochowski, Geschäftsleiterin des Meetingpoint Memory Messiaen e.V., geleitet wurde. Etwa 80 Besucher:innen aus Deutschland und Polen gab sie Einblicke in Einzelbiographien von Kriegsgefangenen des Stalag VIII A und die Entstehung des Werkes. So wurde bereits vor dem Konzert eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen.

Einen großen Dank möchten wir an die fördernden Institutionen richten, die diese besondere und wichtige Veranstaltung auf der kulturellen Landkarte unserer Grenzregion möglich machen. Die Messiaen-Tage 2026 – Festival für Musik · Geschichte · Kunst – werden gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, die Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien sowie den Städten Görlitz und Zgorzelec.

Fortsetzung im Mai 2026

Die Messiaen-Tage werden vom 1. bis 3. Mai 2026 mit einem facettenreichen Programm fortgesetzt.

Ziel ist es, das künstlerische Erbe Messiaens lebendig zu vermitteln, die Geschichte des Stalag VIII A aufzuarbeiten und die grenzüberschreitende kulturelle Verständigung zwischen Deutschland und Polen nachhaltig zu stärken.

Weitere Informationen und Hintergründe sowie das Programm für die Messiaen-Tage 2026 im Mai finden Sie in unserem Programmheft und wie immer auf unserer Webseite.

Tickets für die Veranstaltungen im Mai

https://www.messiaen-tage.eu
https://tickettune.com/mmm/

Kontakt:
Klaudyna Michalska-Tomyślak
michalska@messiaen-tage.eu